Wir können Dinge ändern. Ich glaube, dass es – in den Worten von Milo Rau formuliert – um so etwas wie „Die Rückeroberung der Zukunft“ geht. Also darum, dass wir als Gesellschaft ein Verständnis dafür (wieder-)bekommen, dass es möglich ist eine Zukunft zu gestalten und nicht aus Überforderung in ängstliche Lethargie und Untätigkeit zu verfallen. Oder gar in eine verklärte Vergangenheit zu flüchten, die es in der realen Realität gar nie gab.

Ich beziehe mich – weil es mein Lebensumfeld ist – auf Österreich. Die Fakten sprechen dabei gegen mich. So sind etwa die Ergebnisse der letzten Umfrage im Rahmen des Digital-Barometer in Österreich zum Thema KI gelinde gesagt nicht super. Verkürzt zusammengefasst ist der Stand der Dinge: Der Großteil der Befragten hat wenig Ahnung von KI, im speziellen: was genau generative KI ist. Nur 18% der Befragten geben an, zu wissen, was generative KI ist. Die Studie zeigt, dass ein großes Wissensdefizit im Bereich KI besteht, selbst bei Themen wie „Social Bots/Chat Bots“, die den Internetnutzern häufig begegnen. Etwa die Hälfte der Befragten gab an, keine KI zu verwenden. 40 Prozent waren über die neuen technologischen Möglichkeiten verwirrt. Und lediglich etwa ein Viertel beabsichtigt, seine Fähigkeiten in naher Zukunft zu erweitern.

Ich führe das an, weil ich glaube, dass es gerade einen grundlegenden kulturellen Wandel gibt, der viele Bereiche betrifft. Und dieser Wandel hat definitiv mit der rasanten Entwicklung verschiedener Technologien zu tun. Neben der Arbeitswelt ist davon natürlich auch das Sozialleben betroffen. Ich glaube, dass dieser Wandel ein wesentlicher Grund für Unsicherheit und Angst ist. Eine durchaus verständliche existentielle Angst vor dem Verlust der eigenen Lebensgrundlage, in Form von Lohnarbeit.

Unselige Allianzen

Und ich sehe auch, dass evangelikale, faschistoide und rechtskonservative Kräfte in unseligen Allianzen weltweit seit Jahrzehnten diese Ängste ausnutzen und sie auch künstlich herbeiführen, um an so etwas wie einer Konterrevolution zu arbeiten, die erschreckend stärker wird und regen Zulauf erhält. Dass Rechtsradikale mit dem Kreml dabei eine Union bilden um Demokratie westlichen Zuschnitts und die freiheitlich demokratische Grundordnung zu zerschießen ist für beide Seiten praktisch. Der Zulauf, den diese Bewegungen erhalten hat m.E. nicht nur, aber viel damit zu tun, dass sie mit dieser Angst vor der Zukunft und vor Veränderung überhaupt arbeiten, sie schüren diese Angst und versprechen eine Rückkehr in eine angeblich tolle Vergangenheit, in der die Rollen – Gender genau so wie nationale und kulturelle Identitäten – angeblich klar verteilt sind und überhaupt alles so super übersichtlich war. „Überlieferte“ Familienstrukturen, „Schutz“ der Kinder vor sexueller Aufklärung, tradierte Frauenbilder etc. Was natürlich ausgemachter Blödsinn ist und noch nie funktioniert hat. Hier spielt egoistische Angst vor Macht Verlust mit hinein. Die Gewalt, die diese patriarchalen Strukturen aufrecht erhält, wird dabei verschwiegen.

Ein besseres Leben ist möglich

In einer Welt, die zunehmend von Technologie geprägt ist, gewinnt Kreativität immer mehr Bedeutung. Denn inmitten digitaler Innovationen und Automatisierung sind es Fähigkeiten wie kreative Problemlösung, strategisches Denken, die den Menschen auszeichnet. Kreativität ermöglicht es uns, über den Tellerrand hinaus zu sehen und neue Wege zu erkunden. Gerade in einer Gesellschaft, in der Maschinen bestimmte Aufgaben übernehmen, sind kreative Denkprozesse entscheidend für Fortschritt und Innovation. Auch dafür ein besseres Leben führen zu können. Kreativität und Wissensarbeit unterscheiden sich ganz stark von Routinearbeit. Kreativität bedeutet Diversität im Denken, schreibt Wolf Lotter in seinem Buch „Die Gestörten“ wunderbar richtig. Die Fähigkeit, originelle Ideen zu entwickeln und umzusetzen, wird zum wertvollen Gut in einer Welt des Wandels. KI (AI) macht Routine-Arbeit ziemlich sinnlos, weil sie uns das abnehmen kann.

In Österreich wird trotzdem mit Verve darüber diskutiert, dass die Menschen länger arbeiten sollten. Weil angeblich mit mehr Arbeit das BIP gesteigert wird. Dass sich Menschen, wenn sie länger in betrieblichen Zusammenhängen sind, auch besser kontrollieren lassen ist dabei sicher nur Zufall. In Wahrheit ist das eine Debatte aus der Zeit der Industrialisierung, als die Anforderungen der Fabriken befriedigt werden mussten. Und als wirtschaftlicher Erfolg – vereinfacht gesagt – darin gemessen wurde, wenn immer schneller immer mehr erzeugt werden konnte. Und dazu waren Normierungen sehr wichtig. Aber diese Zeiten sind vorbei. Massenproduktion ist nicht mehr das Maß aller Dinge. Fabriken sind teil- und vollautomatisiert und brauchen Menschen nicht am Fließband sondern in spezialisierten Stellen. Außerdem steigt die Produktivität und erst recht die Kreativität durch ein immer mehr an Produktionsarbeit ganz und gar nicht.

Kreativität entscheidet

Kreativität ist in der modernen Wirtschaft mittlerweile entscheidend. Unternehmen, die Kreativität und innovatives Denken fördern, sind oft erfolgreicher, da sie sich schnell an Veränderungen anpassen und neue Lösungen für komplexe Probleme finden können. Das Paradebeispiel ist Google, eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Google ermutigt seine Mitarbeiter, 20% ihrer Arbeitszeit für eigene Projekte zu verwenden, was zu bedeutenden Innovationen wie Gmail und Google News geführt hat. Apple fördert eine Kultur des Experimentierens, die Firma 3M gibt ihren Mitarbeitern 15% der Arbeitszeit zur freien Verfügung, um an eigenen Projekten zu arbeiten, was zur Entwicklung zahlreicher Produkte wie Post-it-Notizen führte. Die Firma LEGO fördert Kreativität sowohl intern als auch bei seinen Kunden durch innovative Baukästen und eine starke Community-Interaktion und bleibt so einer der beliebtesten Spielzeughersteller weltweit. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Jenseits der üblichen Grenzen

Die KI Neuroflash antwortet auf die Frage wann man kreativ ist: „Man ist kreativ, wenn man in der Lage ist, neue Ideen zu entwickeln und Probleme auf innovative Weise zu lösen. Kreativität kann in verschiedenen Bereichen auftreten, sei es in der Kunst, Wissenschaft oder im täglichen Leben. Es erfordert oft ein Maß an Originalität und Denken jenseits der üblichen Grenzen.“ Jenseits der üblichen Grenzen. Das ist der entscheidende Punkt.

Jenseits der üblichen Grenzen. Das wollen viele halt gar nicht. Sie wollen nicht divers sein oder sich über Grenzen wagen, sie wollen „endlich wieder normal“ sein, die rechten Märchenerzähler und die, die ihnen nachlaufen. Sie wollen eine Ordnung, an der sie sich orientieren können. Wobei die Suche nach Orientierung und Vereinfachung in der Info-Flut verständlich sein mag.

Durch digitale technologische Entwicklungen und Globalisierung hat sich die Arbeitswelt allerdings jetzt schon verändert und wird sich noch viel mehr ändern. KI (AI) setzt da noch einmal eins drauf. Was im österreichischen politischen System und dem hiesigen öffentlichen Diskurs wenig Niederschlag findet. Wenn man an die politischen Erfolge der Rechten denkt, die den Leuten versprechen, dass alles so bleiben soll wie es angeblich früher einmal war, wo doch alles besser gewesen sei, kommt mir das Grausen. Am besten mit einem „starken Mann“, der sich nicht um demokratische Regeln des Meinungsaustausches kümmern müsste. Und am besten mit mehr arbeiten. Industriearbeit forever. Ein Weltbild für Feiglinge.

Fatal normal

Diese lächerliche Pseudodebatte in Niederösterreich um die „Normalität“ – pünktlich zum Amtsantritt der rechtskonservativen Landesregierung – zeigt das deutlich. Leute, entsprecht alle der Norm, die Norm ist gut, Ausscheren und Anders sein ist böse. In Wahrheit ist das alles Frauen-, Klima-, Demokratie- und Fortschritts-Feindlich.

Kunst und Kreativität sind dazu da Normen und Ordnungen zu stören, Neues ist beiden inhärent, deshalb haben beide Feinde.

Künstlerinnen und Künstler bereichern nicht nur unser kulturelles Leben, sondern spielen auch eine entscheidende Rolle für unsere Wirtschaft. Ihre Arbeit trägt zur Schaffung von Arbeitsplätzen, zur Förderung des Tourismus und zur Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit bei. Kunst, Kultur und die so genannte „Kreative Industrie“ sind ein Motor für Innovation und Wachstum, der sowohl lokale Gemeinschaften als auch die nationale Wirtschaft vorantreibt. So entwickelt sich die so genannte Kreativwirtschaft in Österreich jetzt schon dynamischer als die Gesamtwirtschaft.

Im Österreichischen Kreativwirtschaftsbericht 2023 steht: „Unter Berücksichtigung aller Verflechtungen löst sie in Österreich eine gesamtwirtschaftliche Produktion im Ausmaß von € 44,7 Mrd. aus (direkt, indirekt und induziert). … In Summe sichert die Kreativwirtschaft direkt, indirekt und induziert rund 332.100 Arbeitsplätze in der österreichischen Wirtschaft ab ….“

So dass sich im Vergleich zur Gesamtwirtschaft ein sehr positives Bild zeigt. Denn weiter heißt es im Kreativwirtschaftsbericht: „Im langfristigen Vergleich 2008 bis 2020 hat sich die Kreativwirtschaft dynamischer entwickelt als die Gesamtwirtschaft.

In einer Welt, die sich rasant verändert, ist Kreativität nicht mehr nur ein angenehmer Zusatz oder lustiger Zeitvertreib, sondern eine unverzichtbare Kompetenz für jeden einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes.

Das gilt es zu fördern, in Lehrplänen, Projekten, Selbsterfahrung; die rückwärtsgewandte „Normalität“ führt in den Abgrund.

Hinterlasse einen Kommentar

Angesagt