Über Versuchung und KI (künstliche Intelligenz) wollte ich ursprünglich schreiben. Dann kam die Hamas und ihr Angriff auf Israel.
Ich war immer Anhänger einer Art Robin Hood-Denke, Kampf gegen Ungerechtigkeit, Hilfe für die Schwachen, Unterstützung für die Armen etc.
Für einen Angriff auf liberale Werte unter dem Deckmantel des Freiheitskampfes fehlt mir allerdings jegliches Verständnis. Die Verschleppung, Ermordung und Folter von tanzenden und feiernden Frauen und Männern, die für den „verderbten“ Westen stehen, haben nichts mit Befreiungskampf zu tun. Sie sind ein Angriff auf eben diesen Westen und demokratische Werte.
Und ich habe absolut kein Verständnis dafür, dass unter dem Deckmäntelchen der freien Rede und der demokratischen Meinungsfreiheit diese Morde relativiert werden. Nur damit ihr mich richtig versteht: Jede/r Tote ist eine/r zu viel. Und dass rechtsradikale israelische Siedler seit Jahren Landraub betreiben und zündeln ist grauenhaft. Dennoch: die Geschichte hinter diesem Konflikt, bei dem auf beiden Seiten schwere Verbrechen begangen wurden, ist viel komplexer als dass ihr mit marktschreierischen Schuldzuweisungen auch nur annähernd beizukommen wäre. Davon profitieren nur die Extremisten auf beiden Seiten.
Dass allerdings Teile der – auch der österreichischen – Linken, die sich selbst als „progressiv“ beschreiben, das Massaker gutheißen, macht mich fassungslos und wütend. Und dafür werde und will ich kein Verständnis aufbringen. Beatrice Frasl beschreibt diesen Umstand in der Wiener Zeitung sehr klarsichtig und lesenswert (https://www.wienerzeitung.at/a/beatrice-frasl-was-gesagt-werden-muss).
Am Ende mündet der Krieg der Hamas in der Abschaffung der Demokratie, der Auslöschung Israels und einem islamistischen Gottesstaat, in dem etwa die Rechte der Frauen mit Füßen getreten werden. Von daher hat dieser Terrorakt der Hamas absolut gar nichts mit einer Freiheitsbewegung zu tun. Es sind antiaufklärerische, antifeministische, antiwestliche, antidemokratische Bestrebungen. Sätze wie „uns hört ja niemand“ oder „wieso wird nie über unsere Toten berichtet“ – beides stimmt nicht – , die etwa bei den pro palästinensischen Demos am Stephansplatz zu hören waren, blenden – ob wissentlich oder aus Dummheit sei dahingestellt – das aus.
Rechte Märchen
Dass jene, die demokratische Systeme als schwach herabwürdigen und die sich weigern die damit verbundenen Werte zu respektieren als Freiheitskämpfer glorifiziert werden, ist neben der Blödheit derer, die das tun, auch der perfiden Fake-News-Maschine der Hamas geschuldet. Dazu kommt, dass sie die Vorteile der Demokratie gegen sie selbst verwenden – nichts anderes ist es, wenn – wie es die Hamas tut – Entwicklungsgelder zweckentfremdet werden und zur Finanzierung von Terrorismus dienen. Ansonsten ist die Demokratie den Islamisten ebenso wie den rechten und autoritären Märchenerzählern, ob die jetzt Putin, Orban, Kickl, AfD oder sonst wie heißen gemeinsam mit ihren Apologet*innen ein Gräuel. Sie alle schießen mit ihren Troll-Fabriken gegen Demokratie wo sie nur können. Dabei sollen durch Falschnachrichten die öffentliche Meinung beeinflusst und das Vertrauen in Medien, Politik und Demokratie untergraben werden. Es funktioniert leider immer wieder.
Zuletzt in diesem Zusammenhang als – wie in einem Lehrstück für Fake News – nach dem Hamas-Terror die Nachricht kam, dass Israel ein Krankenhaus in Gaza bombardiert hätte. Auch seriöse Medien wie die New York Times, CNN oder die BBC sind auf die Meldung des Gesundheitsministeriums in Gaza, das von der Hamas kontrolliert wird, hereingefallen. Die Schnelligkeit der Ereignisse und der dazu gehörigen Falsch-Meldungen und ihrer rasenden Verbreitung in den sozialen Medien macht ein Recherchieren sehr schwer. Sie haben nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch in der realen Welt zu Aufruhr und Straßenkrawallen geführt. Und pseudomoralische Besserwisserei zögerte nicht Israel die Schuld für die Bombe in die Schuhe zu schieben. Kurz darauf stellte sich heraus, dass es sich um eine fehlgeleitete Rakete des „Islamischen Dschihad“ handelt. Fake-News also at its best.
Ich will hier nicht über die Gründe dafür dilettieren. Es gibt wesentlich Berufenere als mich, die viel mehr Hintergrundwissen haben und das auch vermitteln können. Aber ich will mich mit Möglichkeiten befassen damit umzugehen und sich nicht von Fake-News-Fabriken verblenden und täuschen zu lassen.
KI vs. Fake News – Der Kampf um die Wahrheit
Die deutsche Tagesschau und der ZDF haben bereits den sogenannten „Faktenfinder“ aufgebaut, um Fake News aufzudecken. Dieser Faktenfinder war auch einer der ersten Medien, die die Story von der israelischen Bombe hinterfragte. Ein Hintergrund dafür ist auch KI.
Durch die Verwendung von Algorithmen und maschinellem Lernen kann KI Inhalte schnell analysieren und verdächtige Muster erkennen, die auf Falschinformationen hinweisen. Mit der steigenden Anzahl von Deepfakes und Desinformation wird es immer schwieriger für Menschen allein, diese zu erkennen. Hier kommt KI ins Spiel: Sie kann dazu beitragen, Echtzeit-Fake News zu identifizieren und vor falschen Informationen zu schützen.
Vor- und Nachteile von AI im Kampf gegen Falschmeldungen
Allerdings gibt es auch Nachteile: KI kann nur so gut sein wie die Daten, auf denen sie basiert. Wenn diese Daten verzerrt oder manipuliert sind, kann dies dazu führen, dass das System falsche Schlussfolgerungen zieht. Auch besteht die Gefahr von Deepfakes – künstlich generierten Videos oder Bildern -, die schwer zu erkennen sind und den Einsatz von KI erschweren. Trotzdem: Die Technologie wird immer ausgefeilter und in der Lage sein, bessere Entscheidungen zu treffen.
Fallstudien: Erfolge bei der Anwendung von KI zur Enttarnung von Fake News
Insbesondere bei der Enttarnung von Fake News kann KI ihre Stärken ausspielen: Sie ist in der Lage, große Mengen an Texten schnell und präzise zu analysieren, um Falschinformationen zu identifizieren. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt „Hoaxy“ (https://hoaxy.osome.iu.edu/), das von Wissenschaftlern an der Indiana University entwickelt wurde. Mithilfe von KI-Technologien können sie automatisch erkennen, welche Nachrichten im Internet am meisten geteilt werden und wie sich diese Verbreitung auf sozialen Plattformen auswirkt. Doch es gibt auch noch Herausforderungen beim Einsatz von KI im Kampf gegen Desinformation. Zum einen sollte sichergestellt werden, dass die verwendeten Algorithmen transparent sind und nicht auf diskriminierende Weise Entscheidungen treffen. Zum anderen müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass KI allein keine Lösung für dieses Problem bietet – es braucht immer noch menschliche Expertise und eine demokratische Rahmenbedingungen.
Welchen Beitrag leistet die Aufklärung in puncto Fake News?
Im Kampf gegen Fake News spielt die Aufklärung eine entscheidende Rolle. Es ist wichtig, dass Menschen lernen, wie sie echte von falschen Nachrichten unterscheiden können und welche Auswirkungen die Verbreitung von Falschinformationen haben kann. Während KI-Technologien dabei helfen können, Echtzeit-Fake News zu erkennen, müssen auch Menschen in der Lage sein, solche Inhalte zu identifizieren und zu melden. Da ist der Bildungsbereich gefordert, Möglichkeiten zu finden um insbesondere junge Menschen über Fake News aufzuklären.
Es geht um Medienkompetenz
Medienkompetenz als Begriff kommt in den Lehrplänen für NMS und AHS in Österreich nicht vor. Es ist zwar von Medienerziehung die Rede und davon, dass die Risiken und Chancen neuer Technologien zu berücksichtigen seien. Und es gibt viele Diskussionen über die Verwendung von KI im Unterricht; Oft geht es dabei aber darum, dass die eigene Leistung damit irgendwie noch verbessert werden kann. Medienkompetenz bezieht sich also viel auf Anwender*innen-Wissen.
Dass einige Pädagoginnen mehr machen und über die Wahrnehmung von verschiedenen Themen in verschiedenen Öffentlichkeiten diskutieren, weiß ich aus eigenem Erleben in meinem Umfeld. Davon bräuchte es mehr. Vor allem weil es minderjährige, männliche Jugendlichen in Wiener Schulen gibt, die stolz Tik-Tok-Videos der Hamas herumzeigen und diese als super und wahr – also als bare Münze – nehmen.
Beispiele für Tools
Hier sind einige Beispiele für Initiativen und Tools, die KI für die automatische Faktenüberprüfung nutzen:
- ClaimBuster (https://idir.uta.edu/claimbuster/): Ein Tool, das von Forschern an der University of Texas entwickelt wurde. Es verwendet KI, um automatisch Aussagen in Nachrichtenartikeln und anderen Medien zu identifizieren, die einer Überprüfung bedürfen. Es kann beispielsweise in Echtzeit während politischer Debatten eingesetzt werden, um zu erkennen, welche Behauptungen der Kandidaten überprüft werden sollten.
- Full Fact (https://fullfact.org/about/ai/): Eine britische Faktenüberprüfungsorganisation, die KI-Technologie nutzt, um falsche Behauptungen in Echtzeit zu erkennen. Sie haben ein automatisiertes System entwickelt, das TV- und Radiosendungen überwacht und verdächtige Behauptungen für menschliche Überprüfer markiert.
- Factmata (https://factmata.com/): Ein Startup, das KI nutzt, um Inhalte auf Glaubwürdigkeit und Qualität zu bewerten. Es analysiert den Ton, den Kontext und die Quellen eines Artikels, um festzustellen, ob er möglicherweise irreführend oder ungenau ist.
- Chequeado: Eine lateinamerikanische Faktenüberprüfungsorganisation, die KI verwendet, um automatisch Behauptungen in sozialen Medien und Nachrichtenartikeln zu identifizieren, die einer Überprüfung bedürfen.
- Google Fact Check Explorer (https://toolbox.google.com/factcheck/about#fce): Während es nicht ausschließlich auf KI basiert, verwendet Google’s Fact Check Explorer Algorithmen, um Faktenüberprüfungsartikel zu bestimmten Themen oder Behauptungen zu finden und den Benutzern anzuzeigen.
- Fake News Challenge: Ein Wettbewerb, der darauf abzielt, KI-Modelle zu entwickeln, die in der Lage sind, Nachrichtenartikel automatisch auf ihre Glaubwürdigkeit hin zu überprüfen. Es hat viele Forscher*innen und Entwickler*innen dazu inspiriert, innovative Lösungen für das Problem der Fake News zu entwickeln.
All das gibt es. Und das gehört in die Schulen.
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Bild: Unsplash


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