Künstliche Intelligenz (KI) erobert die Branche und verändert wie über Kunst gedacht und gesprochen wird. Von der Generierung neuer Kunstwerke bis hin zur Restaurierung alter Meisterwerke – KI ist auf dem Vormarsch und ändert einiges. Immer mehr Künstlerinnen und Künstler setzen auf die Unterstützung von Algorithmen und maschinellem Lernen, um ihre kreativen Prozesse zu verbessern und neue ästhetische Möglichkeiten zu erschließen.

1. Die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz (KI) in der heutigen Kunstwelt

Mich verfolgt das Thema KI in der Kunst. Nicht nur, weil bei vielen Arbeiten, die kürzlich etwa auf den Kunstmessen Parallel oder Vienna Contemporary zu sehen waren, KI benutzt wurde. Bei dem Thema geht es um weit mehr als um den Einsatz von Technologie als Werkzeug, sondern es geht um die Veränderung des Verständnisses von Kunst selbst. Und das interessiert mich. Es interessiert mich, weil ich glaube, dass sich kulturell und gesellschaftspolitisch gerade sehr viel ändert; – nicht nur, aber zu einem großen Teil – ausgelöst von technischen Entwicklungen.

Traditionelle Vorstellungen von Handwerklichkeit und Originalität werden durch algorithmische Ästhetik und digitale Reproduzierbarkeit herausgefordert. KI kann mittlerweile in formaler Hinsicht alles wesentlich schneller produzieren. Und wir stehen erst am Anfang.

2. Fallbeispiele erfolgreicher Projekte, bei denen KI eine zentrale Rolle spielt

Fallbeispiele erfolgreicher Projekte, bei denen KI eine zentrale Rolle spielt, verdeutlichen das immense Potenzial von Künstlicher Intelligenz in der Kunst. Berühmt wurde etwa das „Portrait of Edmond de Belamy“, ein von einer KI generiertes Kunstwerk, das für 432.500 Dollar (rund 380.500 Euro) bei Christie´s versteigert wurde. Ein weiteres beeindruckendes Beispiel ist das Projekt „The Next Rembrandt“, bei dem ein Team aus Datenwissenschaftlern und Kunstexperten eine Art neue Rembrandt-Gemälde-Serie erstellte, die auf Algorithmen und Datenanalyse basierte. Ein anderes Beispiel ist die Arbeit des Künstlers Mario Klingemann, der KI-Algorithmen nutzt, um digitale Kunstwerke zu erschaffen. Auch das Projekt „AICAN“ von Ahmed Elgammal zeigt, wie KI dazu eingesetzt werden kann, um neue künstlerische Werke zu schaffen. Die dabei entstandenen Bilder wurden in renommierten Galerien ausgestellt und erzielten hohe Preise auf Auktionen.

3. Der Einfluss von KI auf die kreative Prozesse der Künstlerinnen und Künstler

Die Möglichkeit, Algorithmen zu nutzen, um Kunstwerke zu schaffen, hat die Grenzen dessen, was möglich ist, erweitert und neue Formen der Ästhetik hervorgebracht. Doch trotz aller Möglichkeiten stellt sich die Frage, ob KI-Kunst wirklich als Kunst betrachtet werden kann. Von Gefühlen und Einfühlungsvermögen lassen sich KI nicht leiten. Der menschliche Zwang zur Kultur fehlt KI. Denn bei Kunst geht es vor allem um das Wollen – von Kunst. Und das ist menschlich. Eine KI schafft von selbst gar nichts. Menschen nutzen KI, um etwas zu schaffen. Eine KI erledigt einfach nur eine Aufgabe, die ihr über einen Prompt – oder auch mehrere davon – von einem Menschen eingegeben wird. Menschen wollen Kunst. Sie wollen sie erzeugen. Und nutzen KI für die formale Produktion. Ob sie dabei Midjourney oder ChatGPT oder neuroflash nutzen entscheiden Details in der Nutzbarkeit dieser KI-Apps.

Es kommt jedenfalls zu neuen Möglichkeiten der Interaktion zwischen Mensch und Maschine. KI also als kollaboratives Werkzeug, mit Betonung auf kollaborativ.

4. Von traditioneller Kunst zu algorithmischer Ästhetik: Wie sich das Verständnis von Kunst verändert

Im Zuge des technologischen Fortschritts hat sich auch das Verständnis von Kunst grundlegend gewandelt. Von traditioneller Malerei und Skulptur hin zu algorithmischer Ästhetik und interaktiven Installationen – die Möglichkeiten der Kunstproduktion haben sich durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz enorm erweitert. Als Beispiel ließe sich die KI-Roboterkünstlerin Ai-Da anführen, deren menschlich nachgeahmter Körper tatsächlich Kunstwerke produziert. Ai-Da war immerhin 2022 auf der Venedig-Biennale zu Gast. Dabei geht es nicht nur um die Schaffung neuer Werke, sondern auch um die Veränderung des Kunstbegriffs an sich. Die Grenzen zwischen dem menschlichen Schaffen und dem maschinellen Prozess verschwimmen zunehmend, was zu einer Neudefinition dessen führt, was als Kunst betrachtet wird.

5. Die Chancen und Herausforderungen für den Einsatz von KI in der Kunstproduktion

Die Chancen und Herausforderungen für den Einsatz von KI in der Kunstproduktion sind vielfältig. Einerseits bietet die Technologie neue Möglichkeiten der Kreativitätsentfaltung und ermöglicht es Künstlerinnen und Künstlern, ihre Visionen auf innovative Weise umzusetzen. Und wieder: KI also als kollaboratives Werkzeug. So können beispielsweise Algorithmen genutzt werden, um komplexe Muster oder Formen zu generieren, die mit herkömmlichen Methoden nicht möglich wären.

6. Neue Möglichkeiten der Interaktion zwischen Mensch und Maschine in der Kunstschaffung

KI hat die Kunstwelt bereits verändert, indem sie den Kreativprozess von Künstlerinnen und Künstlern unterstützt oder sogar komplett übernimmt. Es gibt auch neue Ansätze, bei denen Mensch und Maschine in einer Art symbiotischer Beziehung zusammenarbeiten. Eine Möglichkeit ist die Verwendung von generativen Modellen, die es dem Künstler ermöglichen, mit der Maschine zu interagieren und so eine Vielzahl von möglichen Ergebnissen zu erzeugen. Ein weiterer Ansatz besteht darin, dass KI-Systeme das kreative Schaffen des Menschen analysieren und ihm Vorschläge machen, wie es weitergehen könnte. Der Berliner Künstler Roman Lipski nutzt dies, indem er Vorschläge seines KI-Assistenten als Ausgangspunkt nutzt, von dem aus er dann selber weiterarbeitet. Diese Art der Zusammenarbeit ermöglicht eine neue Art des kreativen Prozesses und führt zu überraschenden Ergebnissen. Die Interaktion zwischen Mensch und Maschine öffnet somit neue Türen in der Kunstwelt und bietet spannende Möglichkeiten für zukünftige Entwicklungen.

7. Das Potenzial von KI zur Demokratisierung des Kunsterlebens

Das Potenzial von KI zur Demokratisierung des Kunsterlebens ist enorm. Durch den Einsatz von KI-Technologien können Kunstwerke und Kunsterfahrungen für ein breiteres Publikum zugänglich gemacht werden. So können beispielsweise virtuelle Museen erstellt werden, die es jedem ermöglichen, Kunstwerke aus aller Welt zu betrachten, ohne physisch anwesend zu sein. Darüber hinaus können KI-Algorithmen auch dazu beitragen, künstlerische Werke zu schaffen, die für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zugänglicher sind. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass KI-Systeme dabei helfen können, Kunstwerke zu analysieren und zu kategorisieren, um dem Publikum eine bessere Orientierung zu geben und den Zugang zur Kunst zu erleichtern. Ein Beispiel wäre etwa das Projekt LiviaAI, eine Kooperation vom Wiener MAK gemeinsam mit dem Belvedere und dem Wien Museum, der Universität Wien, der Donauuniversität Krems und des Austrian Institute of Technology. Dabei geht es darum Kunstsammlungen miteinander zu vernetzen und zu analysieren, aber auch der Öffentlichkeit leichter zugänglich zu machen (https://blog.mak.at/kuenstliche-intelligenz/). Insgesamt kann der Einsatz von KI dazu beitragen, die Grenzen zwischen Kunstschaffenden und Kunstliebhabern aufzubrechen und das Kunsterleben für alle zugänglicher und demokratischer zu gestalten.

8. Ethische Überlegungen bei der Nutzung von KI in der Kunst

Ethische Überlegungen bei der Nutzung von KI in der Kunst sind unerlässlich. Es sollte sichergestellt werden, dass KI-Systeme ethisch einwandfrei sind und keine diskriminierenden oder rassistischen Inhalte produzieren. Das hängt von den Daten ab, mit denen die jeweilige KI lernt. Darüber hinaus muss auch die Frage nach der Autorenschaft geklärt werden: Wer ist für das Werk verantwortlich, wenn es von einer Maschine erstellt wurde? Sollte es dem Programmierer oder dem Künstler zugeschrieben werden? Wobei meiner Meinung nach eine Aufgabe von Kunst es ja ist, das, was ist in Frage zu stellen. Wenn KI mit Daten gefüttert wird, die den Status Quo abbilden, ist das schwer möglich.

9. Zukunftsvisionen: Wie könnte die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine weiterentwickelt werden?

Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine in der Kunstproduktion könnte in Zukunft noch weiterentwickelt werden. Eine Möglichkeit wäre beispielsweise, dass Künstlerinnen und Künstler sich von KI-Systemen inspirieren lassen und dadurch neue kreative Ideen entwickeln können. Auch könnten Maschinen dazu eingesetzt werden, um die Umsetzung von Kunstwerken zu optimieren und zu beschleunigen. Letztendlich sind es immer noch die individuellen Perspektiven und Emotionen der Künstlerinnen und Künstler, die den Wert und die Bedeutung von Kunst und künstlerischer Produktion ausmachen. Eine weitere Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine besteht darin, dass durch die Nutzung von KI-Systemen auch Menschen ohne spezielle künstlerische Fähigkeiten Zugang zur Kunstproduktion erhalten können. So könnten beispielsweise automatisierte Systeme eingesetzt werden, um kunstvolle Designs für Produkte oder Werbekampagnen zu erstellen.

10.Fazit: Die transformative Kraft von KI – Eine Chance für die Weiterentwicklung und Neudefinition der Kunst

Die transformative Kraft von Künstlicher Intelligenz (KI) hat das Potenzial, die Kunstwelt grundlegend zu verändern und neu zu definieren. Durch den Einsatz von Algorithmen und maschinellem Lernen können Künstlerinnen und Künstler neue Wege der kreativen Prozesse beschreiten und ihre Arbeit auf ein neues Niveau heben. Die traditionelle Vorstellung von Kunst als menschlichem Ausdruck wird durch algorithmische Ästhetik erweitert, was zu einem neuen Verständnis führt. Es gibt jedoch auch Herausforderungen bei der Integration von KI in die Kunstproduktion, insbesondere hinsichtlich ethischer Überlegungen. Trotz dieser Herausforderungen bietet der Einsatz von KI in der Kunst neue Möglichkeiten der Interaktion zwischen Mensch und Maschine und das Potenzial zur Demokratisierung des Kunsterlebens. Die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine kann weiterentwickelt werden, um eine noch tiefere Verbindung zwischen Kunst und Technologie zu schaffen. Erfolgreiche Projekte wie The Next Rembrandt oder AICAN zeigen bereits, dass KI in der Kunst eine zentrale Rolle spielen kann. Insgesamt bietet die transformative Kraft von KI eine Chance für die Weiterentwicklung und Neudefinition der Kunst. Und insofern kann das Feld Kunst auch ein Experimentierfeld für Entwicklungen in vielen anderen gesellschaftspolitischen Bereichen sein.

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Bild: Unsplash

Eine Antwort zu „Von Meisterwerken zu Maschinen: KI erobert die Kunstwelt.”.

  1. Kunst muss beim anderen auf eine innere Entsprechung treffen.

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