Anfang dieses Jahres hat die Welt sich verändert. Der Erfolg von ChatGPT machte sichtbar, was sich schon länger angekündigt hatte. Die Künstlichen Intelligenzen (AI) greifen nach der Herrschaft. Mittlerweile sind sie so gut, dass sie vieles besser können als Menschen. Sie schreiben Texte, sie erzeugen Bilder, sie beantworten Fragen, sie planen Häuser, sie regeln den Verkehr. Auch wenn es noch Unschärfen gibt, ihnen hin und wieder Fehler passieren, die Qualität ihrer Information manchmal Hinterfragens wert ist: sie werden bei all dem, zu dem sie eingesetzt werden, immer besser. So kommt ChatGPT mittlerweile auch bei der Krebsdiagnostik eine wichtige Rolle zu. Was bleibt da noch für uns Menschen? Als Autor bin ich egoistisch genug zu fragen: was bleibt für mich noch zu tun? Was soll ich machen?

Vor rund 20 Jahren Jahren bin ich aus familiären Gründen von Graz nach Wien gezogen. Damals wusste ich nicht, wie ich als Kulturjournalist, -redakteur und Kunstkritiker ohne Netzwerk in der für mich neuen Stadt überleben könnte und habe deshalb meinen Beruf gewechselt.

Nach einigen Jahren im Bildungsbereich kehre ich jetzt wieder in den Kulturbereich zurück. Und ich bin glücklich über diesen Entschluss. Ich tue das, weil ich das Kreative, Verrückte, Kritische, Chaotische, Innovative, Lebendige liebe.

Was genau ich jetzt wo machen will und wie ich das angehe, weiß ich nicht. Denn ich komme als älterer weißer Mann zurück in einen Bereich, in dem sich seit meinem Abschied einiges geändert hat.

Österreichische Medien sind in den letzten Jahren insgesamt „marktabhängiger“ geworden. Kunst ist dabei kein Thema. Abgesehen davon scheint mir, dass es so etwas wie einen Kunstdiskurs – ich kann mich irren – nur in sehr, sehr speziellen Publikationen und Orten gibt, in einem breiter gefassten öffentlichen Bewusstsein spielt Kunst und Kultur in Österreich kaum eine Rolle. Außer für den Tourismus, in dem immer noch behauptet wird, Österreich sei ein Kulturland. Für jemanden wie mich, der fix daran glaubt, dass Kultur, Kunst, kreatives Denken nicht nur schön und unterhaltsam sein sollte, sondern auch Impulse – gesellschaftliche, zivilisatorische und persönliche – geben kann, ist das sehr ernüchternd.

Trotzdem! Wie es die wunderbare Ursula Le Guin einst in Bezug auf den Kapitalismus, die derzeitige angstgeplagte Gesellschaft und mögliche Alternativen dazu formuliert hat: „Widerstand und Veränderung beginnen oft in der Kunst, und sehr oft in unserer Kunst, der Kunst der Worte.“ Daran glaube ich nach wie vor.

KI (AI) stellen die Sinnfrage ja ganz entschieden: Wozu mache ich, macht frau/man Kunst, wenn die KI (AI) zumindest formal schneller und besser Output erzeugt. Sie kann aus Daten Content erzeugen, Texte, Bilder, Videos, Audio, Grafiken. Sie kann daraus sogar noch selbständig Präsentationen erstellen. Und sie kann auch – sofern sie genügend Daten dafür hat – über Kunst schreiben. KI (AI) kann nicht nur Routineaufgaben erledigen, sondern mittlerweile auch anspruchsvolle Tätigkeiten übernehmen. Auch wenn die Ergebnisse nicht immer supertoll sind, gestalterische Möglichkeiten wachsen exponentiell.

Die Antwort auf die Sinnfrage liegt in der Sprache auf der Hand: Wozu mache ich Kunst? Es ist dieses Wozu, die Frage, die vor dem kreativen Prozess liegt und ihn auch begleitet. Diese Frage stellt die KI nicht. Und – nur damit ich das klar sage: ich glaube nicht, dass neue technologische Möglichkeiten menschliche Arbeit komplett ersetzen. Aber sie ändern sie fundamental.

Mit KI (AI) ändern sich Produktionsabläufe – natürlich nicht nur von kreativen Produkten – ganz grundlegend, ebenso wie Geschäftsmodelle, Kundenbeziehungen, Medien und ihre Rezeption ebenso wie die Anforderungen an Bildung und die Berufswelt. Und sie werden sich noch viel, viel mehr ändern. Und wir wissen ganz und gar nicht, was da noch alles kommen wird. Es geht dabei um weit mehr als um eine technische Spielerei. Es geht um ethische, juristische, zwischenmenschliche und kommunikative Herausforderungen. Das erfordert ein Umdenken und ein neues Selbstverständnis.

Fürs Umdenken und Erforschen von Alternativen war Kunst immer schon ein Vorreiter, ein Role Model, eine inspirierende Hilfe beim sich selber Hinterfragen. Und sie ist es nach wie vor.

Mit diesem Blog will ich darüber diskutieren und Beispiele dafür bringen.

Bolivia Inteligente / Unsplash

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