WAS ZUM TITEL…?!

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Wir alle kennen das „Kleingedruckte“.

Besser gesagt: Kennen wir es meistens nicht. Viel zu oft wird es schnell überflogen oder einfach komplett übersehen. Und das ist auch oft in der Kunst so.
Man sieht ein Bild. Betrachtet es für ein paar Sekunden. Und geht zum nächsten.
Der Titel bleibt unbeachtet. Und das möchte ich mit der Kategorie „Was zum Titel…?!“ ändern. Denn bei vielen Gemälden und auch Künstlern spielen diese neben dem eigentlichen Kunstwerk auch eine große Rolle.

 

So wie bei René Magrittes Gemälde „Der große Krieg“.

Was wir sehen: Eine Frau mit Federhut. Und einen Veilchenstrauß, der das  Gesicht der Dame verdeckt. Keine Soldaten. Keine Waffen (auch nicht die der Frau).
Das Bild ruht in sich. Wieso dann also dieser scheinbar unpassende Titel?

 

Ein Zitat des belgischen Malers soll Klarheit schaffen:

„Jedes Ding, das wir sehen, verdeckt ein anderes, und wir würden sehr gerne sehen, was uns das Sichtbare versteckt“

Das Bild soll den Konflikt des Sichtbaren beschreiben. Wir sehen die Frau. Wir sehen die Blumen. Und obwohl wir diese Dinge sehen, werden andere davon verdeckt. Das Sichtbare macht gleichzeitig unsichtbar. Aber selbst wenn wir das Gesicht der wohl gut betuchten Dame sehen würden, was würde es uns sagen? Vielleicht würde sie lächeln. Vielleicht auch nicht. Und doch würde es uns nicht mehr zeigen, als der Blumenstrauss es tut. Denn das Gesicht gewährt uns nicht den Blick auf das faszinierendste oder spannendste: nämlich die Seele der Frau. Und das ist für Magritte „Der große Krieg“. Das Sichtbare ist der der Beschwörer und Feind des Verborgenen.

 

PS:

Geht es uns nicht auch oft so? Wir sehen eine Sache und doch sehen wir etwas anderes nicht. Manchmal ist das ärgerlich, weil eine größere Person vor einem steht, man voreilig den Blick abwendet, aus Angst etwas Spannenderes verpassen zu können oder sich selbst auch im Weg steht. Jeder hatte bestimmt mal so ein Erlebnis. Die Frage ist: Wie geht man mit der Tatsache um, nie alles sehen zu können? Sollte man sich einfach damit abfinden? So weitermachen wie bisher? Nicht in der Weltgeschichte herumschauen? Ich glaube, wenn man die alltäglichen Scheuklappen ablegt, nicht nur nach rechts und links, sondern vielleicht auch mal nach oben und unten blickt, kann man vieles entdecken, was von dem bisher Sichtbaren verdeckt wurde. Auch wenn man nie alles durchblicken werden kann, wird man so einiges im Schatten Liegendes entdecken, das einen auf einen neue Fährte der nie endenden Schnitzeljagd führt.

 

Quelle: Paquet Marcel: Magritte. Auflage 2012. Taschen

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